Wer spricht Kiezdeutsch?

Kiezdeutsch wird in erster Linie von Jugendlichen gesprochen; es ist eine Jugendsprache des Deutschen. Das Besondere an Kiezdeutsch ist, dass sich diese Jugendsprache im Kontakt unterschiedlicher Sprachen (und Kulturen) entwickelt hat, und zwar in urbanen Wohngebieten, wie z.B. Berlin-Kreuzberg, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Herkunftssprachen zusammenleben. In den Blick der Öffentlichkeit ist Kiezdeutsch seit Mitte der 1990er Jahre getreten. Ähnliche Jugendsprachen gibt es auch in anderen europäischen Ländern, etwa in den Niederlanden, in Dänemark und in Schweden. Kiezdeutsch ist also kein isoliertes deutsches Phänomen. In den Niederlanden wird die betreffende Jugendsprache straattaal genannt, wörtlich Straßensprache. In Schweden spricht man von Rinkeby-Svenska, benannt nach Rinkeby, einem Stockholmer Vorort mit hohem Migrantenanteil. In Dänemark ist eine solche Jugendsprache als københavnsk multietnolekt bekannt.

All diesen Jugendsprachen ist gemeinsam, dass sie zwar auch von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gesprochen werden, aber nicht nur von diesen. Entgegen der vorherrschenden öffentlichen Meinung werden diese Jugendsprachen nicht von Jugendlichen einer bestimmten Herkunft verwendet (etwa Jugendliche türkischer Abstammung), sondern haben sich gerade im Kontakt unterschiedlicher Sprachen und Ethnien entwickelt. Man spricht daher auch von „Multiethnolekten“, ein Begriff, der die ethnische Vielfalt der Sprecher/innen betont (siehe z.B. Hinnenkamp 2005, Keim 2004, Auer 2003). So wird Kiezdeutsch gerade auch in gemischten Gruppen Jugendlicher deutscher und nicht-deutscher Herkunft gesprochen: Kiezdeutsch ist eine Kontaktsprache, die in Wohnvierteln mit sprachlicher, ethnischer und kultureller Vielfalt entstanden ist.

 Einige Links zur Forschung zu Kiezsprache-Phänomenen in anderen europäischen Ländern

 Auswahl sprachwissenschaftlicher Literatur zu Jugendsprache im Migrationskontext