Was ist Kiezdeutsch?

Kiezdeutsch ist eine Jugendsprache des Deutschen. Jugendsprachen hat es schon immer gegeben; das Besondere an Kiezdeutsch ist, dass sich diese Jugendsprache im Kontakt unterschiedlicher Sprachen (und Kulturen) entwickelt hat, in Wohngebieten mit hohem Migrantenanteil wie z.B. Berlin-Kreuzberg. Ähnliche Jugendsprachen gibt es auch in anderen europäischen Ländern, etwa in den Niederlanden, in Dänemark und in Schweden.

Kiezdeutsch ist also kein isoliertes deutsches Phänomen. In den Niederlanden wird die betreffende Jugendsprache straattaal genannt, wörtlich Straßensprache; in Schweden spricht man von Rinkeby-Svenska, benannt nach Rinkeby, einem Stockholmer Vorort mit hohem Migrantenanteil; in Dänemark ist eine solche Jugendsprache als københavnsk multietnolekt bekannt.

All diesen Jugendsprachen ist gemeinsam, dass sie zwar häufig von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gesprochen werden, aber nicht nur auf diese beschränkt sind und auch nicht für Jugendliche einer bestimmten Herkunft typisch sind (etwa Jugendliche türkischer Abstammung), sondern sich gerade im Kontakt unterschiedlicher Sprachen und Ethnien entwickelt haben. Man spricht daher auch von „Multiethnolekten“, ein Begriff, der die ethnische Vielfalt der Sprecher betont (siehe z.B. Hinnenkamp 2005, Keim 2004, Auer 2003). So wird Kiezdeutsch gerade auch in gemischten Gruppen Jugendlicher deutscher und nicht-deutscher Herkunft gesprochen: Kiezdeutsch ist eine Kontaktsprache, die in Wohnvierteln mit sprachlicher, ethnischer und kultureller Vielfalt entstanden ist.

 Einige Links zur Forschung zu Kiezsprache-Phänomenen in anderen europäischen Ländern

 Auswahl an sprachwissenschaftlicher Literatur zu Jugendsprache im Migrationskontext